EUSKIRCHEN. Grippewelle im Kreis – Volle Arztpraxen, leere Büros

Auch wenn die aktuellen Berichte etwas anderes vermuten lassen: Die Grippe, unter Fachleuten Influenza, führt alljährlich um die Karnevalszeit zu einer bundesweiten Erkrankungswelle / Die wichtigsten Fragen und Antworten von den Experten des Euskirchener Kreisgesundheitsamtes.


Die Zahl der Grippeerkrankungen im Kreis Euskirchen ist in den vergangenen Wochen sprunghaft angestiegen. Waren in der aktuellen „Grippesaison“ bis zum Jahreswechsel dem Gesundheitsamt lediglich insgesamt zwei Fälle gemeldet worden, kam es um die Karnevalszeit zu einem deutlichen Anstieg der an Influenza erkrankten Personen. Eigentlich nichts Besonders, denn alle Jahre schwappt die Grippewelle in dieser Jahreszeit durchs Land.
Ende Februar sind dem Euskirchener Gesundheitsamt insgesamt 358 bestätigte Infektionsfälle übermittelt worden, bei vier Patienten konnten auch intensive medizinische Maßnahmen nicht den Tod verhindern. In allen Fällen waren hochbetagte Menschen mit schweren Vorerkrankungen betroffen. Im Vergleich zu den anderen Kreisen und Städten Nordrhein-Westfalens zeigt sich der Kreis Euskirchen dabei im Mittelfeld.
Allerdings erlebt NRW derzeit einen ungewöhnlich hohen Anteil an Influenza-B-Infektionen.
Anders als die Influenza A ist die B-Variante nur für den Menschen ansteckend und führt nicht zu weltweiten Krankheitsausbrüchen.
Anders als bei einer banalen Erkältung, dem grippalen Infekt, sind die Betroffenen massiv krank und zumeist an das Bett gefesselt – wenn sie nicht sogar in ein Krankenhaus müssen. Jedes Jahr sterben Menschen an der Infektion. Die meisten Todesfälle in den letzten Jahren gab es mit deutschlandweit geschätzten 21.300 in der Grippesaison 2014/15 – das ist der höchste Wert seit 1996 – und geschätzten 20.700 im Winter 2012/13. Bei vielen ist die letzte größere Welle zum Jahreswechsel 2009/10 schon fast in Vergessenheit geraten. Damals erkrankten allein in NRW zigtausend Menschen, bei fast 21.000 wurde das Virus im Labor nachgewiesen. Im Kreis Euskirchen wurde damals das Virus bei 181 Bürgern bestätigt.

Wie wird eine Influenza nachgewiesen?

Wie viele Menschen im Kreis Euskirchen wirklich derzeit unter einer Influenza leiden, kann niemand sagen. Dem Gesundheitsamt werden im Allgemeinen nur diejenigen Patienten gemeldet, bei denen das Virus mittel Laboruntersuchung nachgeweisen wurde. Daher muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Haus- und Kinderärzte sind in der Diagnostik der Influenza geübt und können daher, bei typischen Symptomen, häufig auf eine Abstrichuntersuchung verzichten.

Wer ist „schuld“ an einer Influenza?

Die „echte Grippe“ wird durch Viren verursacht, geht mit einem plötzlichen Erkrankungsbeginn, Fieber und einem deutlichem Krankheitsgefühl, verbunden mit Allgemeinsymptomen wie Muskel- und/oder Kopfschmerzen und Reizhusten einher und hält mit 5 bis 7 Tagen länger an, als ein banaler grippaler Infekt.

Welche Medikamente helfen?

Wirksame Medikamente, die gezielt gegen Influenzaviren helfen, wurden bisher noch nicht entwickelt. Antibiotika werden nur eingesetzt, wenn zeitgleich eine bakterielle Infektion, z.B. eine Lungenentzündung festgestellt wurde.
Ist eine Schutzimpfung sinnvoll?
Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfiehlt insbesondere Menschen ab 60 Jahren eine jährliche Grippeschutzimpfung.
Im Januar 2018 hat die STIKO nach ersten Infektionsfällen ihre bis dahin gültige Empfehlungen zur Impfung gegen saisonale Influenza hinsichtlich der empfohlenen Impfstoffe präzisiert. Der zumeist angewandte Dreifach-Grippeimpfstoff zeigt sich gegenüber einem ebenfalls verfügbaren Vierfach-Impfstoff unterlegen. Je nach Virustyp liegt die aktuelle Schutzquote des Dreifach-Grippeimpfstoffs zwischen 17% und 67%. Ob zukünftig Krankenkassen die Kosten für den Vierfach-Grippeimpfstoff übernehmen müssen, entscheidet ein bundesweites Gremium am 5. April 2018. Allerdings übernehmen eine Reihe von Krankenkassen bereits freiwillig die Kosten für die Vierfachimpfung.

Wer sollte sich impfen lassen?

Vor allem Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr sollten sich durch eine Impfung vor Grippe schützen. Dazu zählen neben Senioren ab 60 Jahren und chronisch kranken Menschen aller Altersgruppen auch Säuglinge und Kleinkinder, deren Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Auch Schwangeren wird ab Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels zur Impfung geraten.
Wann sollte man sich impfen lassen?
Die Impfung gegen Grippe sollte jedes Jahr, vorzugsweise im Oktober oder November, durchgeführt werden. Nach der Impfung dauert es ca. 10 bis 14 Tage, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung aufgebaut hat. Auch eine spätere Impfung zu Beginn des Jahres ist meist noch sinnvoll. Insbesondere, wenn die Grippewelle noch nicht eingesetzt oder gerade erst begonnen hat.
Ob aktuell noch eine Schutzimpfung zu empfehlen ist, sollte mit dem jeweiligen Haus- oder Kinderarzt besprochen werden.

Wie kann man sich schützen?

Um einer Influenza oder einer Erkältung vorzubeugen, sollte man, unabhängig vom Alter oder chronischen Erkrankungen, öfters die Hände waschen und, wenn man erkrankt ist, seine Mitmenschen nicht direkt anniesen. Auch sollte in der Grippe- und Erkältungswelle darauf verzichtet werden, anderen die Hand zu geben. Menschenansammlungen sollten vermieden werden. Das Immunsystem muss gepflegt werden. Das geht am besten durch ausreichend Schlaf, eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung. Auch warme Kleidung ist wichtig.
Was tun, wenn man erkrankt ist?
Wenn es einen dann doch „erwischt“, muss die Erkältung oder Influenza auf jeden Fall ausgeheilt werden. Wer krank ist, sollte nicht zur Arbeit, in die KiTa oder Schule, so können nur Kollegen und Freunde angesteckt werden. Wichtig ist zudem eine ausreichende Trinkmenge. Bei anhaltendem Fieber oder bei dem Verdacht, dass sich zusätzlich eine bakterielle Entzündung entwickelt hat (z.B. Lungen- oder Mittelohrentzündung), hilft der Haus- oder Kinderarzt.

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