EUSKIRCHEN. Dreimal im Monat geht’s auf die Vollen

Der Kegelclub „Hummel“ aus Euskirchen feiert sein 90-jähriges Bestehen.

Artikel aus dem Euskirchener Blickpunkt

Euskirchen (pd). Wir schreiben das Jahr 1925. Bei einem Maskenball im Euskirchener Hotel „Joisten“ fassen ein paar Mitglieder der Allgemeinen Schützengesellschaft der Kreisstadt den Entschluss einen Kegelclub zu gründen. Das Ganze wird kein Karnevalsscherz bleiben, am 25. März des Jahres setzten sie den Entschluss in die Tat um und verbringen ihren ersten Kegelabend in der Gaststätte „Zum Burggrafen“ in der Hochstraße. Das letzte Gründungsmitglied verstarb 1975, aber der Kegelclub „Hummel“ erfreut sich auch heute noch bester Gesundheit und feiert in diesen Tagen den 90. Jahrestag seit der Gründung.

WEB 2403 Kegelclub Hummel Euskirchen PD 1
Nach der Gründung im März 1925 gab sich der Club schnell eine Satzung, die das Klubleben der „Hummeln“ regelte. Auch die ersten Kegeltouren in die Umgebung der Heimatstadt und an die Ahr wurden durchgeführt. Natürlich, wie sollte es bei einem Kegelclub anders sein, gibt es aus dieser Zeit auch viele Anekdoten zu erzählen. „Einer der damaligen Präsidenten war Prokurist in der Euskirchener Bürger-Brauerei. Er soll dafür gesorgt haben, dass eine Bier-Pipeline extra für den Club eingerichtet wurde, damit der Durst der Vereinskameraden beim Feiern gestillt werden konnte“, erzählt Clubmitglied Peter Esselborn aus der Frühzeit der Kegelbrüder.
Während der Wirren des Zweiten Weltkrieges kam das Clubleben – wie überall im Lande – zum Erliegen. Aber bereits 1946 – die Mitglieder kehrten mit und mit in ihre Heimatstadt Euskirchen zurück – beging man wieder die ersten Kegelabende in der Gaststätte „Hohn“ auf der Münstereifeler Straße. „Auch die ersten Kegeltouren wurden organisiert. Mit gemaggelter Verpflegung und selbstgebrannten Getränken ging es in das Wochenendhaus von Kegelbruder Paul Lanzerath senior nach Berscheid“, so Esselborn über die ersten Nachkriegsjahre.
Der Club wuchs in den Folgejahren genau wie die junge Bundesrepublik. Anfang der 50er Jahre zählte der Kegelclub „Hummel“ insgesamt 13 Mitglieder. Auch die Ansprüche an die Kegelbahn wuchsen mit der Zeit. Im Jahr 1963 wechselte man auf die moderne Automatikkegelbahn der Gaststätte „Em Fässje“ am Annaturmplatz. Erzählungen zufolge sollen die Kegelbrüder dort nach dem Kegeln das Bier selbst gezapft haben – und zwar nicht nur in Gläser. Die Wirtsleute Hans und Anni Ruhroth sahen diesen Geschehnissen immer mit Gelassenheit entgegen. Zum Schluss wurde abgerechnet, und mit einem Schein extra war alles vergessen. Allerdings musste natürlich auch die Theke wieder „in Ordnung“ gebracht werden.
Diesem Spielort blieb man bis ins Jahr 2000 treu, ehe die Gastronomie „Em Fässje“ eingestellt wurde und der Club auf die Kegelbahn des Restaurants „Poseidon“ auf der Kölner Straße umzog. Dort trifft man sich auch heute noch. Dreimal im Monat, jeweils dienstags, gehen die Kegelbrüder auf die Vollen. Seit 1970 wird auch ein Jahreskönig ausgekegelt. Aktueller König ist Dieter Wollersheim.
Fünf Jahre nach der Einrichtung dieses Wettbewerbs verstarb mit Paul Lanzerath senior das letzte Gründungsmitglied. Aber nicht nur der Spielort änderte sich im Laufe der Jahre, sondern auch die Ziele der Kegeltouren wurden anspruchsvoller. Ob Ostende an der belgischen Küste, die Rhön, Mallorca oder die finnische Hauptstadt Helsinki, um nur einige zu nennen – der Kegelclub „Hummel“ kam viel in Deutschland und Europa herum und die Ausflüge entwickelten sich von der Kegeltour immer mehr zu Bildungs- und Kulturreisen. In diesem Jahr geht die Reise nach Niederhausen (Taunus) in die Nähe von Wiesbaden. Dabei werden die derzeit aktiven Mitglieder – Leo Bück, Peter Esselborn, Heinz Krämer, Willy Löbbert, Siegfried Müller, Willi Sürth und Dieter Wollersheim – sicherlich wieder viel Spaß haben – und danach natürlich auch wieder jede Menge zu erzählen.
Und das alles ohne Präsidenten, denn seit 2001 werden diese Aufgaben vom Kassierer des Kegelclub „Hummel“ wahrgenommen. Da kann man dem Club auch für die kommenden Jahre nur „Gut Holz“ wünschen.

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