MOTORSPORT. Von Euskirchen auf die Balearen

„Don Helmut“ ist eine Rennsportlegende auf Mallorca

Artikel aus der Sonderausgabe 45 Jahre Wochenspiegel Euskirchen

Er ist bekannt wie der berühmte bunte Hund auf den Straßen und Plätzen der Sonneninsel Mallorca. Der Euskirchener Helmut Kalenborn hat sich mit seinen Erfolgen bei den Bergrennen auf den Balearen einen Namen gemacht.

1940 wurde Kalenborn in Straßfeld geboren. Der Ort gehörte damals noch zum Kreis Euskirchen, heute ist er der Gemeinde Swisttal zugeteilt. Nachdem er die Volksschule durchlaufen hatte, begann er eine Lehre zum KFZ-Mechaniker. Nach dem Grundwehrdienst ging er nach Aachen, machte dort seinen Meister und wurde Betriebsleiter beim Autohaus Fredel in Euskirchen. 1974 machte er sich selbstständig. Es vergingen noch weitere zwei Jahre, bis er die Liebe zum Rennsport entdeckte.

Erst mit 36 Jahren setzte sich Helmut Kalenborn erstmals hinter das Steuer eines Rennboliden. Schnell war klar, dass es Bergrennen waren, die zu seinem Betätigungsfeld werden sollten. Bergrennstrecken in Deutschland, der Slowakei, Frankreich und Luxemburg wurden seine Heimat, ehe er auch die Rennen auf Ibiza und Mallorca für sich entdeckte. Die Balearen wurden zu seiner zweiten Heimat. Neunmal holte sich der Rennbegeisterte zwischen 1983 und 2001 den Balearen-Meistertitel. Alleine auf der legendären Strecke am Puig Major trat »Don Helmut« bei 24 Rennen an. Lange Zeit war er auf der berüchtigten 8,2 Kilometer langen Strecke auf den höchsten Berg Mallorcas der Streckenrekordhalter.

Insgesamt brachte er es auf den Balearen auf unglaubliche 49 Gesamtsiege, dazu kommen noch mehr als 70 Plätze auf dem Podest. Und das immer auf anderen Fahrzeugen. Vom Formel Super V, über March und Chevron Formel 2, bis hin zum Formel 3, Tiga Sports Car und Lola BMW Gruppe C war alles dabei. Auf allen neun Rennstrecken der Meisterschaftsserie fuhr er Streckenrekorde. Zwei davon hält er bis heute. Auf den Bergstrecken von Deia und San Salvador war keiner schneller als »Don Helmut«.

Zur Enthüllung des Denkmals von Helmut Kalenborn (l.) wurden extra TShirts mit seinem Konterfei bedruckt, die unter den Fans sehr beliebt waren.

Zur Enthüllung des Denkmals von Helmut Kalenborn (l.) wurden extra T-Shirts mit seinem Konterfei bedruckt, die unter den Fans sehr beliebt waren.

Sein Bekanntheitsgrad auf der Lieblingsinsel der Deutschen ist so groß, dass er 1996 und 1997 zum »Sportler des Jahres« der Balearen gewählt wurde. Aber nicht nur auf der Insel war der smarte Rennfahrer erfolgreich. Auch bei Abstechern auf die Rundstrecke in seiner ehemaligen Heimat, seit einigen Jahren ist sein Hauptwohnsitz Mallorca, drehte Helmut Kalenborn ausgesprochen schnell am Lenkrad. Bei drei Einstätzen bei den 24h-Rennen auf der berüchtigten Nürburgring Nordschleife war er auf einem BMW der Euskirchener Firma TM Motorsport von Klaus Müller ausgesprochen schnell unterwegs.

2012 war dann endgültig Schluss mit seiner aktiven Zeit im Motorsport. Doch das hielt den Motorsportverband der Balearen nicht davon ab, ihrem »Don Helmut« im Oktober dieses Jahres anlässlich der 35. Auflage des Rennens am Puig Major im Hafenstädtchen Soller ein Denkmal zu setzten. Bei der Enthüllungszeremonie hatte der 74-Jährige die Freudendtränen in den Augen. Mit der mallorquinischen Flagge, die das Denkmal verhüllt hatte, wischte er sich die Glückstränen aus den Augen und freute sich über sein Denkmal an der Startlinie der Bergrennstrecke Puig Major.

Viele Motorsportfunktionäre waren bei seiner Feierstunde anwesend. Aber nicht nur die Offiziellen kamen zu Ehren von Helmut Kalenborn. Auch der Zweitplatzierte in der ewigen Bestenliste der Meisterschaft, Leif Buttenhof, kam zum Gratulieren. Der Finne hatte die Meisterschaft viermal gewonnen. Er kann Kalenborn aber nicht mehr gefährlich werden, denn er fährt ebenfalls nicht mehr.

Die Laudatio während der Feierstunde vor Hunderten von Zuschauern und sogar »Kalenborn-Fans«, die extra aus Ibiza angereist waren, hielt Rafael Abraham, Präsident der Föderation. Dabei lobte er nicht nur einen charismatischen und erfolgreichen Piloten, sondern auch sein tadelloses Auftreten auf der Insel und seine Hilfsbereitschaft seinen Kollegen gegenüber.

Nur einen schweren Unfall hatte Helmut Kalenborn in seiner langen Karriere. Beim Bergrennen von Andratx nach Esterrens im Juni 1999 kam er mit seinem TOY-BMW Gruppe C Wagen auf einer Ölspur von der Strecke ab und stürzte 50 Meter eine Böschung hinab. Das Fahrzeug zerschellte an den Bäumen und Kalenborn kam mit zahlreichen Knochenbrüchen in die Klinik nach Palma. Dass ihn bei seiner Genesung kein Geringer als Filmstar Michael Douglas besuchte, hatte seinen guten Grund. Seit Mitte der 90er Jahre war er als Statist und Kleindarsteller in Film- und Fernsehproduktionen engagiert.

Nach seiner Rennsportkarriere ging Kalenborn unter die Schriftsteller. Er schrieb den Mallorca-Krimi »Rennen, Rettung, Mallorca«, und wie sollte es anders sein, die Hauptrolle spielt ein Rennfahrer auf der Rennstrecke am Puig Major. Heute lebt Helmut Kalenborn nach dem Motto: »Ich genieße jeden Tag so, als ob es mein letzter sein könnte.« Verdient hat er es sich. (pd)

Alle Fotos wurden mir von meinen Kollegen Wolfgang Lindner (Palma de Mallroca) und Rudolph Greuel (Mechernich-Firmenich) zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

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