KUCHENHEIM. Frauenrechtlerin zu Gast beim Förderverein des LVR-Industriemuseums Euskirchen

Sumaya Farhat-Naser war zu Gast in der Reihe „Literatur im Museum – Gespräch und Rezitation“ im LVR-Industriemuseum in Kuchenheim – Über 100 Zuhörer folgten den spannenden Ausführungen der palästinensischen Autorin Sumaya Farhat-Naser

Kuchenheim. Der Vorsitzende des Fördervereins, Heinz-Otto Koch, begrüßte in der Mottenburg weit über 100 Zuschauer zum Literaturvortrag von Sumaya Farhat-Naser.

Die 65jährige palästinensische Wissenschaftlerin, Frauenrechtlerin, Friedensaktivistin und Autorin las aus ihrem autobiografischen Werk „Thymian und Steine“ und stellte sich anschließend dem Gespräch mit  Manfred Lang, der die Reihe „Gespräch und Rezitation“ seit mehr als 15 Jahren betreut. Für den musikalischen Rahmen sorgten Thea Schubert (Querflöte) und Anna Hürten (Piano) mit Stücken von Franz Schubert.

Lang bezeichnete Sumaya Farhat-Naser als „fleischgewordene“ Christin der Ökumene: „Orthodox geboren und getauft, bei evangelischen Diakonissen erzogen und konfirmiert, heiratete sie einen Mann, der der Anglikanischen Kirche angehört, schließlich nach deren Ritus, um in der Frauen- und Friedensarbeit engagiert mit der katholischen Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem und deren Dependance in Tabgha am See Genezareth zusammenzuarbeiten und schließlich auch noch die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Münster zu erlangen.“

„Mein Großvater hat vor 1948 noch friedlich Tür an Tür mit einheimischen Juden und Moslems gelebt“, erklärte Farhat-Naser, dass die Religion nicht Auslöser und Motor des Nahostkonfliktes sei. Das Problem seien die Politik, der Zionismus, das rigorose Vorgehen des Staates Israel. Wobei auch die palästinensische Seite nicht frei von Gewalt und Terror sei.   

Moderator Lang wollte von Sumaya Farhat-Naser wissen, wie man sich als Deutscher mit den gegängelten und mitunter schikanierten Palästinensern solidarisieren könne, ohne die „gerade uns  ehrlich und aufrichtig zu Gebot stehende Treue zum jüdischen Volk zu verlassen“. „Indem Sie den jüdischen Menschen ihre Solidarität erhalten, ohne  Unrecht gutzuheißen, das der Staat Israel uns antut“, erklärt Sumaya Farhat-Naser.

Sumaya Farhat-Naser berichtete, wie sie sich zum ersten konspirativen Treffen mit Jüdinnen, Muslima und Christinnen in der Dormitioabtei am Jerusalemer Tempelberg traf. Und wie schwer und scheinbar aussichtslos  der Einsatz für Frieden und Aussöhnung zwischen Palästina und Israel sei.

„Für Verzweiflung aber bleibt keine Zeit“, verriet die mutige Palästinenserin dem Publikum in der Mottenburg. „Höchstens fünf Minuten, dann setze ich mich hin und sage zu mir: »Jetzt bist du verzweifelt«. Aber nach drei Minuten lächle ich schon wieder, nach vier Minuten erfrische ich mein Gesicht mit kühlem Wasser und nach fünf Minuten ist die Verzweiflung wieder weg!“

Analog zu „Thymian und Steine“, dem Buchtitel jenes Werkes, aus dem sie vorlas, hatte Heinz-Otto Koch als Zeichen der Freude über ihren Besuch Eifelkräuter und einen versteinerten 380 Millionen Jahre alte Korallenarm als Geschenk für sie mitgebracht, die  Mineraloge Norbert Knauf auf  Bitte von Heinz-Otto Koch übergab.

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