BAD MÜNSTEREIFEL. Hans-Peter Salentin und Freunde ließen Miles Davis’ Musik über dem Saal schweben

Trompeter Hans-Peter Salentin entführt das Publikum musikalisch nach New York

Mein Kollege JOHANNES MAGER schreibt in der Kölnischen Rundschau:

„Es ist ein Dreiviertel-Takt. Wer gerne tanzen möchte, kann das tun“, lädt Hans-Peter Salentin die 100 Zuhörer im kleinen Pfarrsaal der evangelischen Kirche ein, bevor „Some day my Prince will come“ anstimmt.

Wer zu dem komplexen Trompeten-Solo des Jazz-Professors zu Beginn des Songs mittanzt läuft aber Gefahr, mit einem Knoten in den Beinen zu enden. Das Intro spielt Salentin mit solch einer Leichtheit, dass die Melodie nahezu bewegungslos durch den Saal schwebt. Nach einigen Takten setzen Jürgen Dahmen am Flügel mit Akkorden und Joscha Ötz am Kontrabass ein. Hinzu gesellt sich schließlich der Rhythmus, den Drummer Stefan Schneider mit ebensolcher Schwerelosigkeit beisteuert. Immer wieder ändert er den Rhythmus während des Stücks leicht. Doch dies geschieht in solch einem Fluss, dass man den Wechsel als Zuhörer erst einige Töne später bemerkt. Auch die Wechsel zwischen den Musikern in der Melodieführung sind so fließend, dass die Zuhörer sich scheuten einmal einen Zwischenapplaus zu geben, um das Stück nicht zu unterbrechen.

Mit dem Konzert will Salentin an Miles Davis und dessen „Cool Jazz“-Zeit erinnern – an New Yorker Clubs, in denen die Luft dampfte. „Die Stücke sind alle einmal irgendwann Arbeitsmaterial gewesen“, erklärt der Trompeter. „Es sind recht stringente Stücke, aber wir brechen auch mal rechts und links aus.“ In der Konstellation, wie es auf der kleinen Bühne steht, hat das Quartett noch nie zusammen gespielt. „Wenn man so etwas vor hat, überlegt man sich, welche Musiker gut zusammen passen“, so Salentin. Pianist Jürgen Dahmen kennt er aus den gemeinsamen Zeiten bei der „Helmut Zerlett Band“, mit der die beiden Musiker in der „Harald Schmidt Show“ zu sehen und hören waren.

„Joscha habe ich zwölf Jahre nicht gesehen“, sagt Salentin über den Bassisten, der erst vor einem Jahr von seinem Aufenthalt in Südamerika und den USA nach Köln zurückkam. Mit Schlagzeuger Stefan Schneider habe er zuletzt funkigere Musik gemacht, berichtet Salentin. Dass die vier Musiker vor dem Auftritt nur ein paar Stücke kurz angespielt haben, mag man kaum glauben. Mit kurzem Kopfnicken oder Fingerzeig werden die Einsätze spontan verteilt. Das Repertoire erstreckt sich von Klassikern wie „Bye bye blackbird“ oder„My funny Valentine“ bis hin zu ruhigsamtigen Komposition wie ,,Blue in green“, des verstorbenen Pianisten Bill Evans. Nach rund zweieinhalb Stunden Konzert müssen die Zuhörer sich erst einmal die Augen reiben, als sie aus dem kleinen Saal ins Freie treten: Sie sind immer noch in Bad Münstereifel und nicht in New York. (Quelle: Kölnische Rundschau)

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